"Ach, Du bist so ein Sensibelchen ..." (Teil 2)

Weiter geht es mit Teil 2 des Podcasts, bei dem Ellen Herb mir Fragen zu besonders hoher Sensibilität und einigen Dingen drumherum wie Stringtheorie, Sternenstaub, staunenden Paralleluniversen, verschränkten Quanten und spiegelnden Neuronen stellt.

Bildquelle: Pixabay

Bildquelle: Pixabay

Was wäre, wenn … Wenn mehr Menschen ihre eigenen Empfindungen noch bewusster wahrnehmen würden? Wenn sie auch die Emotionen ihrer Mitmenschen besser spüren könnten? (Oder sich bewusst werden, dass sie dies längst tun – nur eben meist ganz unbewusst.) Wenn sie gleichzeitig nicht zum “Opfer” dieser Eindrücke werden, sondern vielmehr sehr bewusst und wirklich achtsam die Potenziale dieser Fähigkeiten nutzen? Welche positiven Auswirkungen könnte all das zwischenmenschlich, vielleicht sogar gesellschaftlich haben und wie hängen “emotionale Rüstungen und Zugbrücken” möglicherweise damit zusammen?

Hier kommt nun der zweite Teil des Interviews von Ellen mit mir. (Teil 1 steht genau hier. Und Teil 3 folgt in Kürze.) Viel Vergnügen beim Hören!

Alle im Gespräch subtil eingeflochtenen Hinweise auf Erklärvideos für Aufzüge und Bindungsängste beim Skifahren unterliegen sowohl der verschwiegenen Vertraulichkeit der Interviewpartner als auch den geltenden Gesetzen hinsichtlich des Gebrauchs von Insiderwitzen.

Und wieder heißt es:

ellen-herb.png

Dankeschön an
Ellen Herb!

 

Etwas mehr zum Hintergrund:

Einige Grundlagen zu Hochsensibilität sowie auch zu angrenzen Resonanzphänomenen wie Quantenverschränkung und Spiegelneuronen sind in einem früheren Blogbeitrag beschrieben.

“Zugbrücken und Rüstungen” Auf uns Menschen prasseln jeden Tag Unmengen von Eindrücken ein. Unser bewusstes Denken ist in der Lage ungefähr 40 äußere Reize pro Sekunde zu verarbeiten. Nun sind wir, gerade als Bewohner von Großstädten und fleißige Internetnutzer, weitaus mehr Einflüssen ausgesetzt. Daher ist es praktisch, dass unser Unterbewusstsein ein wenig mehr dieser äußeren Reize verarbeiten kann, nämlich ca. 20 Mio. pro Sekunde. (Quelle: “Impulse zur eigenen Veränderung”) Bei besonders empfindsamen, empfindlichen, sensiblen Personen sind es oftmals deutlich mehr als diese 40 Reize je Sekunde. Umso wichtiger ist es dann, für sich selbst “Mechanismen” zu entwickeln, damit man von diesen Ein-Drücken nicht überlastet und überfordert wird. Bildlich gesprochen kann man sich “eine Rüstung anziehen” oder “die Zugbrücke hochziehen”, um sich selbst vor einer Reizüberflutung zu schützen. Sehr unpraktisch wird es allerdings dann, wenn man nicht (mehr) die Steuerungshoheit über die eigenen Schutzmechanismen hat. Wenn sie also nicht bewusst und aktiv eingesetzt werden können, wenn die Rüstung nicht auch wieder ausgezogen oder die emotionale Zugbrücke nicht wieder hochgezogen werden kann. Diese Form des “schützenden Kontrollverlusts” passiert jedoch häufig bei sehr empfindsamen Menschen – die dadurch oftmals von einem Extrem ins andere geraten. Wenn es allerdings gelingt, ganz bewusst zu steuern, wann dieser Schutz zum Einsatz kommt und wann er wieder deaktiviert wird, um die hohe Sensibilität zu nutzen – so kann genau dies sowohl den Umgang mit sich selbst als auch mit anderen Menschen absolut bereichern.

“Meine Gefühle oder Deine?” Ausgeprägt sensible Menschen können manchmal nicht zwischen den eigenen Wahrnehmungen und denjenigen Empfindungen der Menschen um sie herum unterscheiden. Auch hier kann es ein großes Geschenk sein, wenn ihnen genau dies durch Übung und Bewusstheit besser gelingt. Weil sie ganz subtile Stimmungen und Schwankungen wahrnehmen können, die anderen Personen verschlossen und verborgen bleiben. Und dies gilt in vielerlei Hinsicht erneut sowohl “intern wie auch extern”. Mit gezieltem Achtsamkeitstraining kann es gelingen, gleichermaßen die eigenen Emotionen viel deutlicher und bewusster zu empfinden und zu erkennen, und ebenfalls die Gefühle, Stimmungen und Schwingungen der Mitmenschen.

“Notwendige Bewältigungsstrategie oder Potenzial ausschöpfen?” Wenn Menschen mit hoher Empfindsamkeit diese Werkzeuge für sich entdecken und den Umgang damit trainieren, können sie eine klassische Opferrolle vermeiden oder hinter sich lassen, die man oftmals in der Literatur vorfindet. Dort wird häufig von “aus der Not heraus geborenen Bewältigungsstrategien” gesprochen, mit denen hochsensible Personen sich “irgendwie einigermaßen im Leben zurecht finden können”. Doch wie wäre es, wenn sie sich die eigenen Fähigkeiten statt als “Behinderung” vielmehr wie eine “Superkraft” zu Nutze machen würden? Dann lassen sich daraus ganz viele bemerkenswerte Vorteile schöpfen. Wenn man es wirklich möchte. Das ist keineswegs leicht und nicht “auf Knopfdruck” machbar – aber es ist möglich.

“Mitleid oder Mitgefühl?” Eine Ausprägung dieser “Zauberkraft” kann darin bestehen, wirklich bewusst zwischen Mitleid und Mitgefühl zu unterscheiden. Wenn auf jemanden mit hoher Sensibilität und ganz besonders aktiven Spiegelneuronen die Empfindungen des Gegenübers sozusagen “einprasseln” und er/sie davon überwältigt wird, so ist die Gefahr groß, dass man insbesondere Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst genauso stark empfindet wie der aussendende Mensch. Sollte es jedoch gelingen, mit einem gesunden, wohlwollenden und bewussten Einsatz von “Zugbrücke und Rüstung” weiterhin den Gegenüber zu spüren, sich davon aber nicht umwerfen oder mitreißen zu lassen, so kann man wirklich Mitgefühl zeigen, gleichzeitig stabil bleiben und für den anderen Menschen dasein – ohne selbst dadurch zu leiden.

“In deiner Hand” Weil das Buch kurz vor Schluss erwähnt wird und einfach grandios ist: “Das Universum in deiner Hand” von Christophe Galfard ist sowas von toll, dass es von noch viel mehr Menschen – ob sensibel oder nicht – gelesen werden sollte. Hier gibt es eine Leseprobe.